Brief 1 - Mitte März

Liebe TaiChi/Qigong-Freundinnen und Freunde,

Yin und Yang sind weltweit nicht mehr in Harmonie.
Das Yang überwiegt – schneller, höher, weiter, expandieren, nach Außen gehen, immer in Bewegung sein, Hektik, Termindruck, die Nacht wird zum Tag gemacht usw. – ihr kennt das ja alle.

Ich habe mich entschieden, meinen Beitrag zur Yin-Stärkung zu leisten – Rückzug, nach Innen gehen, innehalten, innen Kräfte sammeln, Wesentliches und Unwesentliches in Ruhe unterscheiden lernen, in der Meditation große Zusammenhänge erfassen und integrieren und von daher weise Entscheidungen treffen, die der Liebe dienen.


„Umarme den Tiger (deine größte Angst) und kehre zurück zum Berg (zu deinem Ursprung und deiner Bestimmung)“ – mein Lehrer Al Huang sagt, das sei die Essenz des TaiChi, des höchsten, universellen Prinzips.

 Ich schließe meine Schule vorerst für drei Wochen bis einschließlich Ostermontag.

In der Zwischenzeit bin ich für euch jederzeit telefonisch da (0341/9114053) und freue mich, wenn wir in Kontakt bleiben und weiterhin umeinander wissen.

Meine Empfehlung für diese Zeit: Haltet das Mudra zur Stärkung des Immunsystems – das ist ganz einfach: rechte Hand, Daumen- und Ringfingerspitzen zusammen, die Zeigefingerspitze legt sich auf die Mitte des Daumens, aufs Gelenk, drei Minuten halten, sechs mal täglich, mehr schadet nicht ...

 

Ich wünsche euch stärkende und erhellende Innenreisen. Salutogenese! Auf bald, Petra



Brief 2 - 1. April 2020

Liebe Taichi/Qigong-Freundinnen und Freunde,

das Zentrum hat erst seit paar Tagen zu, und doch kommt es mir viel länger vor. Ich vermisse das gemeinsame Üben, den gemeinsamen Austausch, die gemeinsame körperliche Erfahrung, daß Energie immer unserer Aufmerksamkeit folgt ...

Ich stelle mich auf die Blume des Lebens und bin stabil bei Druck von allen Seiten, ich halte die Rune URUZ mit beiden Händen und sofort ist Kraft da, ich singe die fünf heilenden Laute und stärke damit alle inneren Organe, ich anerkenne das, was ist – zum Beispiel: „Ja, da ist Enge.“ – und schon öffnet sich die Tür, die vorher verschlossen war. Ich löse mich von Kopf bis Fuß, gehe in die Weite – und das, was mich fest gepackt hatte, muß sich mitlösen und loslassen, Kampf und Dagegen-Sein gibt dem Gegenüber erst recht Kraft, weil wir dann eng und fixiert sind, usw.usf.

Ihr alle kennt diese Übungen, sie sind alltagstauglich, das habe ich immer dazu gesagt. Es geht darum, diese innere Haltung der Weite und der Zustimmung zu dem, was sich zeigt, immer wieder herzustellen.
Welche Qualität haben im Moment eure Gedanken und Gefühle? Machen sie euch eng oder weit? Stärken sie euch oder schwächen sie euch? Es geht nicht darum, positiv zu denken – da bleibt ihr in der Trennung, in der Dualität – es geht darum, wahrzunehmen, was ist. Erst durch diese Selbstreflexion („ja, da ist Angst, ja, da ist Unsicherheit, ja, da ist Verwirrung, ja, da ist Vermeidung ...“) kann dieser Zustand transformiert werden.


Bleibt Beobachter dessen, was sich in euch zeigt und dessen, was sich im Außen zeigt und nehmt wahr, wenn ihr anfangt, euch damit zu identifizieren und anzuhaften. Ihr könnt fragen: „Wem kommt dieser Gedanke, dieses Gefühl?“
Ihr antwortet: „Mir.“ Und ihr fragt weiter: „Wer ist dieses ICH?“ Und auf diese Frage gebt ihr keine innere Antwort, ihr laßt sie im Raum stehen und erahnt vielleicht die Größe und Weite, die sich da auftut und für die es eh keine Worte gibt.
Und beim nächsten Gedanken oder Gefühl geht das Spiel wieder von vorne los – und schon seid ihr wieder Beobachter. Die meisten von euch werden diese Übung aus der Quantenpsychologie erinnern, ich hatte sie euch im Kurs nahegebracht.

Und noch eine Empfehlung: In Zeiten einer großen Informationsflut und in Zeiten, wo sogenannte Experten wie Pilze aus dem Boden schießen, gibt es einen sehr hilfreichen Satz: „Ich bin in Verbindung mit meiner inneren Wahrheit.“

Heute ist der 1. April, der Beginn eines neuen Quartals. Ich möchte an dieser Stelle allen von Herzen danken, die bereits ihre Kursgebühr für das zweite Quartal (auch ohne Quartalsschein) an mich überwiesen haben. Danke für euer Mitdenken, eure Bereitschaft und euren Wunsch, das YIN YANG-Zentrum zu erhalten.

 

Im Altchinesischen besteht das Wort KRISE aus zwei Schriftzeichen: „große Gefahr“ und „große Chance“. 

Jede und jeder von euch kann ja mal aufschreiben, was das für sie oder ihn bedeutet. Das wäre eine kleine freiwillige Hausaufgabe, die ich euch stellen möchte und ich freue mich auf den Austausch darüber nach der Auszeit.

Während meiner Lehrerausbildung Mitte der 90er Jahre wurde viel vom beginnenden Wassermann-Zeitalter gesprochen. Ich kannte mich damit nicht aus und habe mir deshalb damals einige Notizen gemacht. Vielleicht ist ja ein Blick aus dieser Perspektive für euch interessant:

Innerhalb von rund 26.000 Jahren kreist die Erdachse einmal um sich selbst. Diese Zeitspanne wird von den Astrologen entsprechend den Tierkreiszeichen in 12 Zeitalter eingeteilt. Jedes Zeitalter dauert etwa 2.160 Jahre. Der Zeitpunkt des Übergangs von einem Sternzeichen in das folgende ist mathematisch nicht genau festzustellen. Der Beginn des Wassermann-Zeitalters wird irgendwann zwischen 1950 und 2050 datiert.

Das Fische-Zeitalter löste etwa um Christi Geburt das Widder-Zeitalter ab. Das Fische-Zeitalter ist energetisch geprägt von: Idealisierung der Entsagung, bedingungsloser Liebe, hierarchische Strukturen breiten sich aus und verfestigen sich, auf der persönlichen Ebene: Beeinflußbarkeit und Fremdbestimmung.
Neptun, der Herrscher des Sternzeichens Fische und Uranus, der Herrscher des Sternzeichens Wassermann begegneten sich 1994. Am 1. April 1995 trat der Uranus erstmalig in das Sternzeichen Wassermann ein – ging dann nochmal ins Sternzeichen Steinbock zurück – und seit 1996 ist sein endgültiges Hineinbewegen in das Sternbild Wassermann am Himmel zu beobachten. Uranus repräsentiert als Energie das Ungewohnte, das Unkonventionelle – er gilt als Planet der Umbrüche. Der Einfluß der Uranus-Energie auf das zu Ende gehende Fische-Zeitalter erfordert Flexibilität in allen Lebensbereichen.
Das Wassermann-Zeitalter ist energetisch geprägt von der Suche nach sich selbst, dem inneliegendem Potential, der Einzigartigkeit, dem Sinn des Lebens und fördert die Fähigkeit zur Eigenverantwortung.
Soweit meine Notizen vor 25 Jahren ...

Im Anschluss an meinen heutigen Brief findet ihr eine Übersicht über die 5 heilenden Laute. Ich singe sie gerade täglich.

Wenn in der alten Zeit jemand zur Heilerin, zum Schamanen kam, stellten diese folgende Fragen:
Wann hast du zum letzten mal getanzt?
Wann hast du zum letzten mal gesungen?
Wann hast du dich zum letzten mal von einer Geschichte verzaubern lassen?
Und wann warst du zum letzten mal im heilsamen Raum der Stille?
Das sind die vier universellen Heilweisen.

In diesem Sinne, Salutogenese, auf bald, Petra


Die fünf heilenden Laute

SHÜ – Leber (Galle)

(Frühling, Element Holz, Farbe Grün, HUN ist die Leberseele)

Die Augen als Fenster der Leber

Über die Augen Schlacken, Gifte, Wut, Ärger und Aggression abgeben.

Platz schaffen für Freundlichkeit, Tatkraft, Fantasie und Offenheit.

 

CHO – Herz (Dünndarm)

(Sommer, Element Feuer, Farbe Rot, SHEN ist die Herzseele)

Die Zunge als Öffnung des Herzens

Über die Zunge Hitze, Ungeduld, Hektik, Launenhaftigkeit und Arroganz abgeben.

Platz schaffen für Freude, Glück, Respekt, Aufrichtigkeit, Enthusiasmus, Temperament und Ausstrahlung.

 

HU – Milz (Magen)

(Spätsommer, Element Erde, Farbe Gelb, YI ist die Milzseele)

Die Lippen und der Mund als Zugang zur Milz

Über den Mund und die Lippen Sorgen, Grübeln, Sentimentalität, Selbstmitleid und Wehleidigkeit abgeben.

Platz schaffen für Offenheit, Mitgefühl, Zentriertheit und Ausgeglichenheit.

 

SSS – Lunge (Dickdarm)

(Herbst, Element Metall, Farbe Weiß, PO ist die Lungenseele)

Die Nasenlöcher als Ein- und Ausgänge der Lunge

Über die Nasenlöcher Trauer, Kummer, Depression, krankmachende Energie und überschüssige Hitze abgeben.

Platz schaffen für Mut, Rechtschaffenheit und Loslassen.

 

TSUI – Niere (Blase)

(Winter, Element Wasser, Farbe Dunkelblau/Schwarz, ZHI ist die Nierenseele)

Die Ohren als Öffnung der Niere

Über die Ohren Furcht, Schrecken, Angst und Stress abgeben.

Platz schaffen für Sanftheit, Stille, Gelassenheit, Wachheit, Vitalität und Lebenskraft.    


Brief 3 - 13. April 2020

Liebe TaiChi/QiGong-Freundinnen und Freunde,

es ist seltsam und ungewohnt, doch gleichzeitig auch schön, mit euch in Kontakt zu bleiben, indem ich euch Briefe (mails) schreibe. Danke an alle, die mir ebenfalls geschrieben oder mich angerufen haben. Dies ist nun mein dritter Brief an euch. Ich möchte diesmal mit Bertolt Brecht beginnen und auch mit ihm enden:

 

Weise am Weisen ist die Haltung
Zu Herrn K. kam ein Philosophieprofessor und erzählte ihm von seiner Weisheit. Nach einer Weile sagte Herr K. zu ihm: „Du sitzt unbequem, du redest unbequem, du denkst unbequem.“ Der Philosophieprofessor wurde zornig und sagte: „Nicht über mich wollte ich etwas wissen, sondern über den Inhalt dessen, was ich sagte.“ – „Es hat keinen Inhalt“, sagte Herr K. „Ich sehe dich täppisch gehen, und es ist kein Ziel, das du, während ich dich gehen sehe, erreichst. Du redest dunkel, und es ist keine Helle, die du während des Redens schaffst. Sehend deine Haltung, interessiert mich dein Ziel nicht.“

Meine „Haltungs“-Empfehlung: Ihr könnt euch stärken auf allen Ebenen, indem ihr den Baum haltet. Das ist eine alte daoistische Praxis. Am besten jeden Tag 20 Minuten.
Wenn Unruhe kommt: Weiterstehen!
Wenn Schmerzen kommen: Weiterstehen!
Wenn der innere Schweinehund sich meldet: Weiterstehen!
An einer Komfortzone ist an und für sich nix Schlechtes. Doch in der Komfortzone gibt es kein Erwachen, keine Entwicklung. Also: Weiterstehen! Länger als 20 Minuten schadet nicht, weniger als 20 Minuten – da bleibt ihr in der Komfortzone.

Und noch eine andere, sehr schöne Methode, sich auf Wesentliches zu besinnen, habe ich in meinen alten Aufzeichnungen wiedergefunden. Es ist die Daumen-Meditation. 
Der Daumen steht für eure Wurzel-Energie – dann nacheinander die Fingerkuppen zusammenhalten (es gibt hier keine Zeitvorgabe, wichtig ist nur, mit der Aufmerksamkeit bei dem jeweiligen Gefühl zu sein und zu erlauben, daß es sich in euch ausbreitet).
Daumen und Zeigefinger zsm. ist Geduld.
Daumen und Mittelfinger zsm. ist Wahrheit.
Daumen und Ringfinger zsm. ist Liebe.
Daumen und kleinen Finger zsm. ist Mitgefühl.
(Ihr könnt es mit beiden Händen halten oder nur mit einer Hand.)


Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich finde die momentane Zeit ganz spannend. Sie zeigt so viele Facetten, so viele Dimensionen, die soziale Dimension, die wirtschaftliche Dimension, die spirituelle Dimension ...
Jeder hat seine ganz eigene Art und Weise, damit umzugehen. Manche schenken – andere horten, manche geben sich Ängsten hin – andere vertrauen, manche hadern – andere genießen, manche warten auf eine Lösung von außen – andere setzen auf Eigenverantwortung, manche glauben, sie könnten alles kontrollieren – andere verneigen sich in Demut und gehen in Verbindung zu ihrer inneren Wahrheit, manche wachen auf – andere schlafen ein ... und manchmal findet all das auch in nur einem Menschen statt ...
Ich wünsche euch allen weiterhin viele erhellende Innenreisen und freue mich sehr darauf, euch bald wiederzusehen.
Und jetzt, wie angekündigt, noch einmal Bertolt Brecht:

Herr Keuner und die Flut
Herr K. ging durch ein Tal, als er plötzlich bemerkte, daß seine Füße in Wasser gingen. Da erkannte er, daß sein Tal in Wirklichkeit ein Meeresarm war und daß die Zeit der Flut herannahte. Er blieb sofort stehen, um sich nach einem Kahn umzusehen, und solange er auf einen Kahn hoffte, blieb er stehen. Als aber kein Kahn in Sicht kam, gab er diese Hoffnung auf und hoffte, daß das Wasser nicht mehr steigen möchte. Erst als ihm das Wasser bis ans Kinn ging, gab er auch diese Hoffnung auf und schwamm. Er hatte erkannt, daß er selber ein Kahn war.

In diesem Sinne, Salutogenese, auf bald, Petra



Brief 4 - 3. Mai 2020

Liebe TaiChi/QiGong-Freundinnen und Freunde,


ich habe mich entschieden, ab 11. Mai den Unterricht wieder aufzunehmen.


TaiChi und QiGong fördern nachweislich Gesundheit und Wohlbefinden auf allen Ebenen. Wie bewege ich mich und was bewegt mich? Wie finde ich inneren Frieden und mein Gleichgewicht? Wie achtsam bin ich? Wie authentisch und
natürlich bin ich? Wie stabil bin ich? Wie klar bin ich? Wie zugewandt und verbunden bin ich? Wie weit reicht meine Wahrnehmung? Wer seine Mitte stärkt, ist weniger manipulierbar.
Wer in Verbindung zu seiner inneren Wahrheit steht, macht sich nicht
abhängig von äußeren Autoritäten. Wer für sich selbst Verantwortung übernimmt, muß nicht auf Rettung von außen warten und taugt nicht als Opfer.


Ich freue mich auf das gemeinsame Üben in Ruhe und Gelassenheit.
Im TaiChi gibt es eine Bewegung, die heißt: "Die Mähne des wilden
Pferdes streicheln". Diese Bewegung hat viele Aspekte. Mein Lehrer Al Huang hat mir den spirituellen Hintergrund dieser Bewegung offenbart. Es geht darum, die "Schleier der Maya" zu lüften. Maya (indisch) heißt wörtlich: Illusion, Schein, Trug. Wenn wir uns bald alle wiederbegegnen, möchte ich euch gern u.a. diese Bewegung nahebringen. Und ich bin gespannt auf die Ergebnisse der
"Hausaufgabe" aus dem 2. Brief vom 1. April.

 
Ich freue mich aufs Wiedersehen und auf den gemeinsamen Austausch. 

Salutogenese, auf bald, Petra