Brief 5 - Anfang Januar 2021

 

liebe taichi/qigong- freundinnen und freunde,


in den nachrichten wird die bevölkerung auf weiteres zumachen,
schließen, dichtmachen und rückzug eingestimmt.
das öffnen ist yang – das schließen ist yin.


wie bei einer blüte – ein vollkommen natürlicher vorgang in harmonie.
diese harmonie und diese aufs feinste aufeinander abgestimmten
wechselwirkungen und prozesse werden gestört, wenn eines von beiden
erzwungen wird. (wann öffne ich früh z.bsp. meine augen? nach einem
erholsamen schlaf, wenn der körper nach seiner ruhezeit wieder lust hat
auf aktivität? oder weil der wecker klingelt?)


zuviel erzwungenes yang im sinne von aktivität führt auf dauer zu
überlastung, überforderung, streß, ausbrennen, erschöpfung, hektik – und
letztendlich zum vorzeitigen tod.
zuviel erzwungenes yin im sinne von passivität führt auf dauer zu
depression, erstarrung, existenzangst, selbstmitleid, einsamkeit – und
letztendlich zum vorzeitigen tod.


was ist der tod? ist es die einheit, in der sich yin und yang ebenbürtig
umarmen? oder gibt es in der einheit weder yin noch yang und der
energiekörper streckt sich wohlig aus und badet im NICHTS? ist der tod
eine erlösung von den qualen dieser welt? ist der tod der eingang ins
paradies oder in die hölle? ist der tod das ende oder ist er ein anfang?
ist der tod ein freund und gefährte, der mich von anbeginn durchs leben
geleitet und den ich jederzeit um rat fragen kann? oder ist der tod die
große angst?

in der heutigen zeit, spätestens seit dem 1. weltkrieg, so scheint es
mir, ist der tod zur statistik verkommen und bleibt damit ein tabu
(lesenswert dazu sebastian haffner "geschichte eines deutschen").


was sagt das I GING?


"in den prozessen der natur ist der tod ein TEIL DES LEBENS und nicht
etwa das ende des lebens. der tod markiert die transformation eines
menschen, tieres oder einer pflanze von der sichtbaren in eine
unsichtbare form der existenz innerhalb des kosmischen ganzen. das leben
ist ein fortgesetzter prozeß der transformation von nichtform zu form
und von der form in die nichtform." 

(ich erinnere euch an die forschungsergebnisse der quantenphysik, die
nachgewiesen hat, daß sich jede materie mehrfach pro sekunde
dematerialisiert und und wieder verfestigt – für das menschliche auge
sind diese vorgänge nicht sichtbar.)


in den großen spirituellen traditionen ist der tod ein wichtiges thema
und die frage, was den übergang vom grobstofflichen zum feinstofflichen
erleichtert?
ganz einfach, indem ich schon jetzt meine feinstofflichen fähigkeiten
und sinne wahrnehme und pflege. dann wird der übergang leicht
unbeschwert und natürlich.


viele bewegungen des qigong und taichi helfen dabei, die feinstoffliche
wahrnehmungsfähigkeit zu entwickeln und die trennlinie von sichtbar
(grobstofflich) und unsichtbar (feinstofflich) kann immer durchlässiger
werden.


was ist das für eine zeit, in der wir leben?


auch der dumpfste zeitgenosse kann spüren, daß es eine übergangszeit ist.
etwas geht zu ende und etwas neues beginnt.
was geht zu ende und was beginnt?


in meinem ersten brief an euch im frühjahr letzten Jahres habe ich euch vom übergang
vom fischezeitalter zum wassermann-zeitalter erzählt. interssant finde
ich auch folgendes:
altindische sanskritquellen sprechen vom beginn eines dunklen
zeitalters, kali-yuga genannt, das vor 3102 jahren v.u.z. begann (kali
heißt spaltend, einen keil eintreibend) - dunkelheit heißt getrennt sein
vom licht, getrennt sein von der quelle.


der maya-kalender datiert den beginn eines neuen zeitalters, des
zeitalters der spaltung wie er es nennt, auf das jahr 3113 v.u.z. – und
sagt voraus, daß es 13 baktun dauern werde, also 13 perioden zu je
144000 tagen.
diese ca. 5000 jahre sind nun vergangen und wir leben in einer
übergangszeit - wie der frühling, der auf den winter folgt, auch so
seine zeit braucht.


die zeichen der spaltung sind unübersehbar: richtig – falsch, gut –
böse, besser – schlechter, gefühl – verstand, rechts – links, arm –
reich, opfer – täter, das schwache geschlecht – das starke geschlecht ...
all das sind zuschreibungen und bewertungen, die der ideologie der
spaltung erlegen sind und das ganze, die einheit, das TAO aus dem blick
verloren haben.


ich schaue um mich und sehe, wie die spaltung durch familien geht, durch
ganze nationen und religionen – unversöhnlich stehen sich die lager
gegenüber, im besten fall wird nicht mehr miteinander gesprochen, man
geht sich aus dem weg oder man feindet sich an und bekämpft sich
gegenseitig, unerbittlich und gnadenlos ...


das yin-yang-symbol beschreibt ursprünglich einen berg – die eine seite
ist von der sonne beschienen, die andere seite liegt im schatten. das
ist weder gut noch schlecht – es ist und bleibt EIN berg.
die essenz des taichi (mein lehrer al huang hat diese bewegung so
genannt): "umarme den tiger und kehre zurück zum berg" verweist genau
darauf, auf den berg in seiner GANZHEIT.


und was ist aus dieser ganzheit im yin-yang-symbol im zeitalter der
spaltung geworden? 

 

ideologie und bewertung.
yang ist männlich, aktiv, vorwärtsgehend, rechts, hell = gut.
yin ist weiblich, passiv, zurückweichend, links, dunkel = schlecht.
jede, aber auch jede der alten taichi- und qigong-bewegungen schert sich
nicht um diese spaltung.


steigen UND sinken, vor UND zurück, rechts UND links – keines ist besser
oder schlechter und nur, wenn ich beides ebenbürgtig vollziehe, stellt
sich harmonie in der bewegung ein.
und es geht ja noch weiter. ihr kennt meine stabilitäts-druckproben:
wenn ich  vorgehe ist meine aufmerksamkeit auch hinten, wenn ich steige,
ist meine aufmerksamkeit auch unten, usw.usf. – ich bin immer dann
stabil, wenn ich der GANZE berg bin.


und noch eine interessante entdeckung: archäologische funde
(höhlenmalereien, keramik u.ä.) aus der zeit VOR 5000 jahren, also vor
dem zeitalter der spaltung, zeigen menschen mit "antennen" auf ihrem
kopf, das waren keine außerirdischen, sondern offenbar menschen, die
einen draht zum großen kosmischen geschehen hatten. nach dem jahr 3113
v.u.z. änderten sich die darstellungen – es gab keine
"antennen-menschen" mehr.


ihr alle kennt den brokat "den himmel stützen" – wofür steht das? dafür,
wieder in einklang mit dem kosmos zu kommen und seine antennen wieder
auszufahren (das ist die stelle, wo sich hoch über dem kopf die
verschlungenen hände lösen und wie zwei antennen die ganzheit wieder
spüren können.
laßt uns in der nächsten zeit die qigong- und taichi-bewegungen auf ihre
ganzheit hin erforschen, mögen sie uns helfen aufzuwachen und zu fühlen,
was wesentlich und natürlich ist.


ab 11. januar werde ich zu den kurszeiten im zentrum sein, wer kommen
möchte, ist mir willkommen (einzelunterricht kann auch spannend sein).
wenn etwas neues beginnt, brauchen wir eine große portion anfängergeist,
so wie die kinder. und deshalb leite ich euch neben diesem brief eine
mail zum anfängergeist weiter, die mich kürzlich erreichte und die ich
sehr inspirierend fand.


ich freue mich aufs wiedersehen, umarmen wir den tiger (unsere angst)
und kehren wir zurück zum berg,


petra